Mehr sparen durch Selbermachen: Welche Mythen dich bremsen
Erstellt von Stefan Brockwitz · Lesezeit 5 Minuten · 31. Oktober 2026

Als ich vor einigen Jahren anfing, mehr Dinge selbst zu machen, ging ich davon aus, dass mein Kontostand am Ende des Monats deutlich höher sein würde. Ich reparierte Dinge statt sie wegzuwerfen, backte Brot selbst und stellte Reiniger aus Essig her. Die Rechnung schien einfach: weniger Geld ausgeben, mehr sparen. Aber dann fiel mir auf, dass ich genauso viel Zeit brauchte wie früher, mein Geld anderem zum Opfer fiel und manchmal war das selbst Gemachte am Ende sogar teurer.
Das Problem: Ich hatte mir Mythen zu Herzen genommen, die jeder zu haben scheint, wenn es ums Selbermachen geht. Diese Mythen sind nicht falsch, aber sie sind unvollständig. Und wenn du sie nicht hinterfragst, landen deine Ersparnisse im Sand statt auf deinem Konto.
Der Mythos: "Selbermachen ist immer billiger"
Das klingt logisch, ist aber nur die halbe Wahrheit. Klar, wenn du eine Hose flickst statt eine neue zu kaufen, sparst du die Kosten für die neue Hose. Aber du brauchst Nadel, Faden und die richtige Technik. Du brauchst Zeit. Und wenn du die Reparatur vermasselt, hast du am Ende mehr Geld verloren als wenn du die Hose in eine Schneiderei gebracht hättest.
Was wirklich stimmt: Selbermachen spart nur dann Geld, wenn du bereits die Werkzeuge, das Material und die Fähigkeit hast. Fängst du gerade an, zahlst du zuerst für die Ausrüstung drauf. Das ist nicht schlecht, es ist nur ein versteckter Kostenfaktor, den viele nicht einkalkulieren.
Was stattdessen hilft: Überlege vor jedem Selbermach-Projekt konkret, was dich die komplette Durchführung kostet. Nicht nur das Material, sondern auch deine Zeit und eventuelle Werkzeuge, die du noch anschaffen musst. Vergleiche das mit der Alternative. Manchmal lohnt sich Selbermachen erst ab dem dritten oder fünften Mal.
Der Mythos: "Je mehr du machst, desto mehr sparst du"
Hier steckt ein klassisches Anfänger-Denken dahinter. Du fängst an, Windeln zu waschen statt zu kaufen, stellst deine Zahnpasta her, nähst deine Kleider. Das Gefühl, alles selbst im Griff zu haben, ist grossartig. Aber irgendwann merkst du: Du bist nicht produktiver geworden, du bist nur erschöpfter. Und dein Kopf hat keinen Platz mehr für das, das wirklich wichtig ist.

Das sieht man besonders bei Menschen, die nebenberuflich Geld verdienen wollen. Sie sagen sich: "Ich spare Zeit, indem ich alles selbst mache statt zu delegieren oder zu kaufen." Das mag kurzfristig Geld sparen, aber mittelfristig kostet es sie die Energie, um tatsächlich ihr eigenes Projekt voranzutreiben.
Was wirklich stimmt: Es gibt eine Grenze, ab der Selbermachen nicht mehr zu Ersparnissen führt, sondern zu Burnout. Deine Zeit ist nicht kostenlos, und sie ist die wertvollere Ressource als dein Geld.
Was stattdessen hilft: Wähle Selbermach-Projekte strategisch. Konzentriere dich auf die zwei bis drei Bereiche, wo Selbermachen dir am meisten Geld spart und wo es dir auch Freude macht. Alles andere darfst du ruhig kaufen oder sein lassen. Das ist nicht Versagen, das ist Fokus.
Der Mythos: "Selbermachen bedeutet, auf alles zu verzichten"
Manche Menschen denken, dass Selbermachen automatisch heisst, mit Einschränkungen zu leben. Du machst dir selbst Kaffee statt ins Café zu gehen. Du nähst deine Kleider statt sie zu kaufen. Du fährst Fahrrad statt ein Auto zu besitzen. Der Lebensstil wird kleiner, ärmer, eingeschränkter.
Das ist ein massiver Irrtum. Der beste Beweis: Viele Menschen, die viel selbst machen, geniessen ihr Leben deutlich mehr als andere. Sie kochen bewusster, reparieren mit Achtsamkeit, haben Fähigkeiten, die ihnen Sicherheit geben.
Was wirklich stimmt: Selbermachen ist nicht das Gegenteil von Geniessen. Es ist eine andere Art zu geniessen. Wenn du Pizza selbst backst, schmeckt sie nicht deshalb gut, weil du sparen willst, sondern weil du sie mit eigenen Händen gemacht hast.
Was stattdessen hilft: Trennen Sie in deinem Kopf "sparen" von "verzichten". Beim Sparen geht es darum, bewusster Geld auszugeben, nicht darum, weniger zu leben. Ein selbst gemachtes Essen kann luxuriöser sein als eines vom Restaurant. Das ist nicht sparen, das ist Upgrade durch Aufmerksamkeit.
Der Mythos: "Wenn du keine Zeit hast, darfst du nicht selbermachen"
Das ist eine Ausrede, die ich lange Zeit benutzt habe. "Ich bin zu beschäftigt, um mein Brot selbst zu backen" oder "Ich habe keine Zeit, meine Fenster zu putzen." Das Gefühl war: Selbermachen ist ein Luxus für Menschen mit viel freier Zeit. Nicht für mich.
Was wirklich stimmt: Es gibt verschiedene Grade von Selbermachen. Du musst nicht alles von Grund auf neu erfinden. Es gibt Mini-Projekte, die 15 Minuten dauern und trotzdem echte Ersparnisse bringen.
Was stattdessen hilft: Denk in Häppchen, nicht in Projekten. Statt "Ich werde meine Wohnung renovieren" fragst du: "Was kann ich in 20 Minuten reparieren?" Statt "Ich stelle meine Kosmetik selbst her" fragst du: "Was kann ich mit Zutaten machen, die ich ohnehin habe?" Die Ersparnisse sammeln sich schneller an als du denkst, wenn du nicht auf die grosse Aktion wartest.
Der Mythos: "Selbermachen ist eine moralische Pflicht"
Das ist der insidioseste Mythos von allen. Das Gefühl: "Ich sollte meine Kleider selbst nähen. Ich sollte mein Gemüse selbst anbauen. Ich sollte meine Möbel selbst bauen." Sollte, sollte, sollte. Am Ende machst du Dinge nicht, weil sie dir helfen, sondern weil du dich schuldig fühlst, wenn du sie nicht machst.
Was wirklich stimmt: Selbermachen ist eine Option, nicht eine Verpflichtung. Es gibt tausend Wege zu sparen, und Selbermachen ist nur einer davon.
Was stattdessen hilft: Gib dir selbst die Erlaubnis, Dinge zu kaufen. Die Energie, die du freimachst, indem du nicht alles selbst machst, kann dir an anderer Stelle mehr Geld einbringen als die Ersparnisse wert sind. Das ist nicht faul, das ist intelligent.
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Die ehrliche Wahrheit zum Schluss: Selbermachen hilft beim Sparen, aber nur wenn du es mit offenem Auge betreibst. Nicht als Allheilmittel, nicht als moralische Pflicht, sondern als ein kluges Werkzeug unter vielen. Überlege konkret, welche zwei bis drei Dinge sich für dich persönlich lohnen, wo du Zeit, Werkzeuge und Fähigkeiten schon hast oder leicht aufbauen kannst. Dort fang an. Alles andere darfst du ruhig delegieren, kaufen oder ignorieren. Das ist keine Niederlage, das ist Fokus. Und Fokus ist das Gegenteil von Chaos, das dir am Ende mehr Geld kostet als alles zusammen.
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Stefan Brockwitz
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